Brain Fog – wenn das Gehirn plötzlich streikt

Brain Fog – wenn das Gehirn plötzlich streikt

Du stehst im Raum und weißt nicht mehr, was du holen wolltest. Dir fehlen Wörter im Gespräch. Du liest denselben Absatz drei Mal – und kannst dich trotzdem nicht konzentrieren. Willkommen im „Brain Fog“. Viele Frauen in der Perimenopause kennen dieses Gefühl von geistiger Vernebelung, Konzentrationsproblemen und mentaler Erschöpfung – auch wenn sie vorher mitten im Leben standen.

Was ist Brain Fog?

„Brain Fog“ (wörtlich: Gehirnnebel) ist keine medizinische Diagnose, sondern ein Sammelbegriff für kognitive Beeinträchtigungen, die phasenweise auftreten:

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Wortfindungsstörungen

  • Vergesslichkeit

  • mentale Erschöpfung

  • verlangsamtes Denken

Gerade in hormonellen Umbruchphasen – etwa in der Perimenopause, nach einer Geburt oder in Stressphasen – berichten viele Frauen über diese Symptome. Sie sind oft vorübergehend, aber sehr belastend.

Warum tritt Brain Fog in der Perimenopause so häufig auf?

Hormone beeinflussen nicht nur Zyklus oder Stimmung – sondern auch das Gehirn. Besonders das Östrogen wirkt auf Gedächtnis, Denkfähigkeit und Informationsverarbeitung. Sinkt oder schwankt der Östrogenspiegel stark (wie in der Perimenopause), kann das spürbare kognitive Auswirkungen haben.

Zudem greifen viele Prozesse ineinander:

  • Östrogenmangel beeinträchtigt den Hippocampus (zuständig für Gedächtnis)

  • Schlafstörungen, oft hormonell bedingt, schwächen die mentale Leistungsfähigkeit

  • Stress & Cortisolüberschuss stören die Neurotransmitter-Balance

  • Auch Progesteron, ein beruhigendes Hormon, sinkt – was innere Unruhe verstärken kann

Die Folge: Der Kopf fühlt sich wie „unter Wasser“ an – obwohl organisch alles gesund ist.

Ist das gefährlich?

In der Regel: Nein. Brain Fog in der Perimenopause ist keine Demenz und meist reversibel. Studien zeigen, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit nach der Menopause häufig wieder stabilisiert (Greendale et al., Neurology, 2010).

Trotzdem solltest du hellhörig werden, wenn:

  • die Symptome deutlich zunehmen

  • du dich im Alltag nicht mehr zurechtfindest

  • du dich über mehrere Monate stark eingeschränkt fühlst

Dann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – auch, um andere Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen, Nährstoffmängel oder Depression auszuschließen.


Was dir helfen kann

  • Symptom-Tracking: So erkennst du Zusammenhänge mit dem Zyklus

  • Ausreichend Schlaf und feste Pausen – das Gehirn braucht Regeneration

  • Bewegung (auch moderat!) – sie verbessert Durchblutung und Hirnleistung

  • Proteinreiche Ernährung & Omega-3 – wichtig für Nervenzellen

  • Stress reduzieren, z. B. mit Atemübungen, Meditation oder Natur

  • Bei Bedarf: Hormonelle Unterstützung, z. B. niedrig dosiertes Östrogen (ärztlich abgeklärt)

Zusammengefasst

Brain Fog ist ein häufiges, aber oft übersehenes Symptom der hormonellen Übergangszeit. Es kann verunsichern – ist aber in den allermeisten Fällen vorübergehend und behandelbar. Wenn du dich ernst nimmst und gezielt unterstützt, kannst du Klarheit zurückgewinnen – im Denken, Fühlen und Handeln.

Quellen:

  • Greendale GA et al. (2010): Cognitive Performance in Women Through the Menopausal Transition, Neurology
  • Brinton RD (2009): Estrogen regulation of the aging brain, Nature Reviews Neuroscience
  • Davies R. et al. (2022): Women's experience of cognitive symptoms in perimenopause, BMJ Open
  • Harvard Health Publishing (2020): Menopause and memory: What’s the link?

North American Menopause Society (NAMS), Factsheet 2021