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Die Menopause ist ein natürlicher biologischer Prozess – doch wenn sie frühzeitig eintritt, stellt sie viele Frauen vor unerwartete Herausforderungen. Aber was bedeutet „frühzeitig“ eigentlich genau? Und wie unterscheidet sich das von einer einfach „frühen“ Menopause?
In diesem Artikel erfährst du, wie man eine frühzeitige Menopause erkennt, welche Ursachen sie haben kann und wie du damit umgehen kannst.
Wenn in medizinischen Texten von „Menopause“ die Rede ist, geht es um den Zeitpunkt, an dem die Menstruation dauerhaft ausbleibt – also für mindestens 12 Monate ohne Blutung. Das Durchschnittsalter für die natürliche Menopause liegt bei etwa 51 Jahren. Aber was ist, wenn dieser Prozess früher beginnt – oder sich schon Jahre vorher spürbar verändert?
Hier ist es wichtig, zwischen verschiedenen Begriffen zu unterscheiden:
Perimenopause bezeichnet die oft mehrere Jahre dauernde Übergangsphase vor der letzten Regelblutung. Sie beginnt meist in den 40ern, kann aber auch schon mit Mitte 30 einsetzen. In dieser Phase schwanken die Hormonspiegel stark – Zyklusveränderungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen sind häufig die ersten Anzeichen. Auch bei einer frühzeitigen Menopause gibt es meist eine Perimenopause – sie verläuft nur verkürzt oder beschleunigt.
Von einer frühen Menopause spricht man, wenn die Menstruation zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr endgültig ausbleibt – also deutlich vor dem Durchschnittsalter.
Die frühzeitige Menopause (medizinisch: Premature Ovarian Insufficiency oder POI) tritt auf, wenn eine Frau bereits vor dem 40. Lebensjahr in die Menopause kommt – teils sogar in ihren 20ern oder 30ern. Das bedeutet, dass die Eierstöcke ihre Funktion stark einschränken oder einstellen – mit all den hormonellen und gesundheitlichen Folgen, die das mit sich bringt.
Zitat:
„Die frühzeitige Menopause ist nicht einfach eine vorgezogene Menopause – sie ist ein eigenständiges Krankheitsbild mit oft abrupten hormonellen Veränderungen.“
– Prof. Dr. Petra Stute, Universitätsklinik Bern
Wichtig ist: Nicht das Ausbleiben der Periode ist das erste Anzeichen, sondern die hormonellen Veränderungen davor – und die können sich bereits Jahre vorher bemerkbar machen. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig auf den eigenen Körper zu achten – und Symptome wie unregelmäßige Zyklen, Hitzewallungen, Schlafprobleme oder emotionale Instabilität ernst zu nehmen.
Quelle: European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE), 2016
Die Ursachen einer frühzeitigen Menopause sind vielfältig – und in vielen Fällen bleibt der genaue Auslöser unklar. Häufig liegt eine genetische Veranlagung vor, insbesondere wenn auch Mutter oder Großmutter sehr früh in die Menopause kamen. Auch Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder rheumatoide Arthritis können die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigen. In einigen Fällen ist die Menopause Folge medizinischer Eingriffe, etwa durch eine operative Entfernung der Eierstöcke oder eine Chemo- oder Strahlentherapie. Zusätzlich können Lebensstilfaktoren wie chronischer Stress, Rauchen oder starkes Untergewicht den hormonellen Rhythmus stören und den natürlichen Zeitpunkt der Menopause vorziehen. Oft wirken mehrere dieser Faktoren zusammen – das macht die Diagnose und Einordnung so komplex.
Zitat:
„Die frühzeitige Menopause ist ein multifaktorielles Geschehen. Genetische, immunologische und umweltbedingte Einflüsse spielen zusammen.“
– Prof. Dr. Petra Stute, Universitätsklinik Bern
Die Symptome einer frühzeitigen Menopause ähneln denen der natürlichen Menopause, treten aber früher – und oft überraschend – auf. Viele Frauen sind körperlich noch im „Vollbesitz ihrer Kräfte“, wenn erste Anzeichen auftreten, was die Verunsicherung oft verstärkt. Die Beschwerden lassen sich grob in vier Bereiche gliedern:
Physische Symptome zeigen sich häufig durch Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen, die ganz plötzlich auftreten und den Alltag wie den Schlaf stark beeinträchtigen können. Auch Erschöpfung, Gelenkbeschwerden oder unerklärliche Gewichtszunahme können auf hormonelle Veränderungen hinweisen. Besonders auffällig sind Zyklusunregelmäßigkeiten – bei manchen Frauen wird die Periode unregelmäßig oder bleibt ganz aus, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt.
Psychische Symptome reichen von Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen. Einige Frauen berichten von plötzlicher Antriebslosigkeit, innerer Leere oder dem Gefühl, emotional „nicht mehr sie selbst zu sein“. Diese Veränderungen werden oft mit Stress oder Überforderung verwechselt – dabei liegt die Ursache häufig in der hormonellen Umstellung.
Intime Symptome machen sich häufig durch vaginale Trockenheit, Brennen beim Sex oder ein Nachlassen der Libido bemerkbar. Auch die Schleimhäute der Harnwege können betroffen sein – was zu häufigeren Blasenentzündungen oder einem Druckgefühl im Beckenbereich führen kann. Da diese Beschwerden oft als „Tabu“ empfunden werden, bleiben sie lange unerwähnt – obwohl sie sich gut behandeln lassen.
Sonstige Symptome können subtil sein: Konzentrationsstörungen, ein „brain fog“ (also das Gefühl geistiger Benebelung), vermehrte Migräne, trockene Haut oder Haarausfall zählen ebenso zu den Anzeichen wie das Gefühl, den eigenen Körper nicht mehr richtig zu kennen.
Die Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten, schwanken in ihrer Intensität – und werden häufig fehlgedeutet. Deshalb ist es umso wichtiger, sie ernst zu nehmen, zu beobachten und bei Unsicherheit medizinisch abklären zu lassen.
Eine frühzeitige Menopause bedeutet nicht nur das Ende der Fruchtbarkeit – sie hat auch medizinische und emotionale Folgen. Viele Frauen erleben in dieser Phase emotionale Reaktionen wie Trauer, Unsicherheit oder sogar Schuldgefühle, insbesondere dann, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Nicht selten kommen Gefühle von „nicht mehr ganz Frau sein“ oder ein innerer Konflikt über das „verfrühte Altern“ hinzu, vor allem wenn das Umfeld oder Ärzt:innen die Beschwerden nicht ernst nehmen.
Auch körperlich hat die frühzeitige Menopause weitreichende Auswirkungen: Durch das plötzliche Absinken der Östrogenspiegel steigt langfristig das Risiko für Osteoporose, da Östrogen eine wichtige Rolle im Knochenerhalt spielt. Gleichzeitig verändert sich das Herz-Kreislauf-System – Frauen mit frühzeitiger Menopause haben ein deutlich höheres Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Gefäßerkrankungen. Auch Stoffwechselveränderungen wie erhöhte Blutfettwerte und Gewichtszunahme sind keine Seltenheit. Zudem kommt es bei vielen Betroffenen häufiger zu Harnwegsinfektionen oder Scheidentrockenheit, was das körperliche Wohlbefinden im Alltag und in der Sexualität beeinflussen kann.
Die frühzeitige Menopause ist deshalb keine Bagatelle, sondern ein medizinischer und emotionaler Einschnitt, der gute Begleitung und individuelle Lösungen braucht.
Ein hormonelles Blutbild (FSH, LH, Östradiol) kann Klarheit geben. Wichtig: Eine Diagnose sollte nie auf einem einzigen Wert basieren, sondern wiederholt und ärztlich begleitet werden.
In vielen Fällen wird eine Hormontherapie bis zum natürlichen Menopausenalter empfohlen – das schützt Knochen, Herz und Psyche.
Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit und Stressmanagement haben großen Einfluss – besonders bei Östrogenmangel.
Die frühzeitige Menopause ist selten – aber real. Sie kann körperlich und emotional belastend sein, aber mit der richtigen Begleitung, Aufklärung und Hormonunterstützung ist ein erfülltes, stabiles Leben auch in diesem Lebensabschnitt möglich.
Wichtig ist: Du bist nicht allein. Und du bist nicht „zu jung“, um ernst genommen zu werden.
Quellen: