Hitzewallungen & Nachtschweiß – was hilft wirklich?

Hitzewallungen & Nachtschweiß – was hilft wirklich?

Wenn dein Körper plötzlich auf "heiß" schaltet

Ohne Vorwarnung wird dir glühend heiß. Dein Herz rast, dir läuft der Schweiß – und das mitten in der Nacht oder beim Gespräch mit Kolleg:innen. Hitzewallungen und Nachtschweiß gehören zu den häufigsten Symptomen der Perimenopause und Menopause.
Fast 80 % aller Frauen erleben sie in irgendeiner Form – mal leicht, mal stark einschränkend. Trotzdem fühlen sich viele verunsichert, überfordert oder nicht ernst genommen.

Warum treten Hitzewallungen überhaupt auf?

Die Ursache liegt in der hormonellen Umstellung – insbesondere im sinkenden Östrogenspiegel. Östrogen beeinflusst das thermoregulatorische Zentrum im Gehirn, also die „innere Klimaanlage“. Wenn der Hormonspiegel schwankt oder abnimmt, reagiert dieses Zentrum empfindlicher – schon kleine Temperaturveränderungen können eine Überreaktion auslösen.

Das Ergebnis: Blutgefäße weiten sich plötzlich, die Hautdurchblutung steigt – du bekommst einen Hitzeschub, der oft von Schweiß, Unruhe oder Herzklopfen begleitet wird. Nachts tritt zusätzlich oft Nachtschweiß auf, was den Schlaf stören kann.

Wie lange dauern Hitzewallungen an?

Die Dauer ist individuell verschieden. Laut Studien:

  • Durchschnittlich 4–7 Jahre in der Perimenopause und frühen Menopause
  • Bei 10–15 % der Frauen können sie über 10 Jahre anhalten
  • Schweregrad, Häufigkeit und Trigger sind unterschiedlich

Was kann helfen – und was nicht?

1. Hormonelle Therapie (HRT)

Die wirksamste Methode zur Behandlung starker Hitzewallungen ist laut aktueller Studienlage die Hormonersatztherapie (HRT). Insbesondere die Kombination aus Östrogen und ggf. Progesteron kann Hitzewallungen deutlich lindern oder vollständig stoppen, sofern keine medizinischen Kontraindikationen bestehen.
Quelle: NAMS Position Statement, 2022

2. Pflanzliche Präparate & Phytoöstrogene

Manche Frauen berichten über Linderung durch Soja-Isoflavone, Rotklee, Traubensilberkerze (Cimicifuga) oder Mönchspfeffer. Die Studienlage ist gemischt – bei leichteren Beschwerden können sie aber einen Versuch wert sein.
Achte auf Qualität und sprich eine Einnahme idealerweise mit einer medizinischen Fachperson ab.

3. Lebensstilfaktoren

  • Koffein, Alkohol, scharfes Essen und Zucker können Hitzewallungen verstärken

  • Regelmäßige Bewegung und moderates Krafttraining stabilisieren den Kreislauf und die Hormonlage

  • Atemtechniken (z. B. 4-7-8-Atmung) oder Yoga helfen, das Nervensystem zu regulieren

  • Kühle Schlafzimmer, atmungsaktive Kleidung, Kühlpads oder Bettdecken mit Temperaturausgleich können Nachtschweiß lindern

4. Nicht-hormonelle Medikamente

In bestimmten Fällen können auch nicht-hormonelle Mittel wie SSRIs (z. B. Paroxetin in niedriger Dosierung), Clonidin oder Gabapentin helfen – allerdings nur bei mittleren bis schweren Fällen und unter ärztlicher Abwägung.

Was du für dich wissen solltest

Nicht jede Frau will oder kann Hormone nehmen. Aber: Es gibt nicht den einen richtigen Weg – sondern nur deinen. Wichtig ist, dich nicht allein zu fühlen und zu wissen, dass es Lösungen gibt. Wenn du das Gefühl hast, die Beschwerden beeinträchtigen dein Leben, sprich offen mit deiner Ärztin oder einem Hormonzentrum.

„Hitzewallungen sind kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Zeichen dafür, dass dein Körper gerade Großes leistet.“
– Dr. Mary Jane Minkin, Yale School of Medicine

Quellen:

  • North American Menopause Society (NAMS), Position Paper 2022
  • SWAN Study (Study of Women’s Health Across the Nation), 2022
  • Minkin MJ, Yale School of Medicine
  • Freeman EW et al., JAMA, 2014
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)