Östrogen, Progesteron, Testosteron – das hormonelle Trio verstehen

Östrogen, Progesteron, Testosteron – das hormonelle Trio verstehen

Hormone beeinflussen unser gesamtes Wohlbefinden – körperlich, mental und emotional. Vor allem drei Hormone spielen in der weiblichen Gesundheit eine zentrale Rolle: Östrogen, Progesteron und Testosteron. Dieses Trio wirkt fein abgestimmt zusammen – doch was passiert, wenn sich die Balance verändert?

Östrogen – der Powerplayer mit vielen Jobs

Östrogen ist das dominierende Hormon in der ersten Zyklushälfte (Follikelphase). Es wird hauptsächlich in den Eierstöcken produziert und sorgt für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, beeinflusst aber auch weit mehr als nur die Fruchtbarkeit.

Wofür ist Östrogen verantwortlich?

  • Aufbau der Gebärmutterschleimhaut
  • Regulierung des Zyklus
  • Feuchtigkeit & Elastizität der Haut
  • Stimmung & Serotoninhaushalt
  • Knochen- und Herzgesundheit

Sinkt der Östrogenspiegel – wie in der Perimenopause oder nach der Menopause – kann es zu Hitzewallungen, vaginaler Trockenheit, Stimmungstiefs und Konzentrationsproblemen kommen.

„Da fast alle Zellen im Körper der Frau auf Hormone reagieren, spüren wir die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren oft überall im ganzen Körper.“

– Dr. Sheila de Liz, Gynäkologin und Autorin

Progesteron – das beruhigende Gegenstück

Progesteron wird nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet und dominiert die zweite Zyklushälfte (Lutealphase). Es sorgt für eine gesunde Einnistung der Eizelle, spielt aber auch in unserem Nervensystem eine wichtige Rolle.

Wofür ist Progesteron verantwortlich?

  • Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut
  • Beruhigende Wirkung auf das Nervensystem
  • Regulation des Schlafs
  • Senkung von Entzündungsprozessen
  • Schutz vor zu viel Östrogen

Ein früher Rückgang von Progesteron ist häufig eines der ersten Anzeichen der Perimenopause – oft spürbar durch:

  • PMS & Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • unregelmäßige oder stärkere Blutungen

„Progesteron wirkt wie ein natürliches Beruhigungsmittel – es fördert Schlaf und emotionale Stabilität.“
– Dr. Lara Briden, Autorin „The Period Repair Manual“

Testosteron – das unterschätzte Hormon

Viele denken bei Testosteron nur an Männer – aber auch Frauen produzieren es (in den Eierstöcken und Nebennieren). Es beeinflusst unsere Energie, Libido und Muskelkraft. Der Testosteronspiegel erreicht seinen Höhepunkt in den 20ern und nimmt dann kontinuierlich ab.

Wofür ist Testosteron verantwortlich?

  • Muskelaufbau & Stoffwechsel
  • sexuelle Lust & Erregbarkeit
  • Motivation & Antrieb
  • Kognitive Leistungsfähigkeit

Ein Mangel kann sich zeigen durch:

  • Energieverlust & Antriebslosigkeit
  • Libidoverlust
  • nachlassende Muskelkraft
  • depressive Verstimmungen

„Ein gesunder Testosteronspiegel ist wichtig für das allgemeine Wohlbefinden von Frauen – besonders mit zunehmendem Alter.“
– Endocrine Society Clinical Practice Guidelines, 2014

Warum die Balance entscheidend ist

Diese drei Hormone sind keine Einzelkämpfer – sie wirken im Zusammenspiel. Gerät eines aus dem Gleichgewicht, beeinflusst es auch die anderen. Besonders in der Perimenopause kommt es zu starken Schwankungen: Progesteron sinkt zuerst, Östrogen folgt in Wellen, Testosteron bleibt oft zu niedrig.

Typische Folgen einer Dysbalance:

  • Schlafstörungen & Reizbarkeit
  • Zyklusveränderungen
  • Gewichtszunahme (v. a. am Bauch)
  • Libidoverlust & emotionale Instabilität

Was du tun kannst:

  • Tracke deine Symptome über mehrere Zyklen

  • Sprich mit einer gynäkologischen Fachperson über mögliche Tests (z. B. Speichel- oder Bluttests)

  • Achte auf Ernährung, Stressregulation & Schlaf

  • Informiere dich über bioidentische Hormontherapien, wenn Beschwerden stark sind


Fazit: Wissen ist Selbstwirksamkeit

Wenn du deine Hormone verstehst, erkennst du, warum du dich manchmal „anders“ fühlst – und kannst bewusster mit deinem Körper umgehen. Hormone sind keine Feinde, sondern Botschafterinnen deines Körpers. Du musst sie nicht kontrollieren, aber du kannst lernen, mit ihnen zu leben – in Balance.

Quellen:

  • Minkin MJ (2020). Yale School of Medicine Women's Health Research
  • Briden L (2021). The Period Repair Manual
  • Endocrine Society (2014): Testosterone Therapy in Women

North American Menopause Society (NAMS)