Unterstützung durch Gleitmittel & Produkte – ein Überblick

Unterstützung durch Gleitmittel & Produkte – ein Überblick

„Brauche ich jetzt wirklich ein Gleitmittel?“

Für viele Frauen ist genau dieser Gedanke zunächst mit Unsicherheit verbunden.

Vielleicht, weil Gleitmittel lange mit einem Problem verbunden wurden. Vielleicht, weil die Vorstellung entsteht, der eigene Körper würde „nicht mehr richtig funktionieren“. Oder weil viele Frauen glauben, dafür noch „zu jung“ zu sein.

Dabei lohnt sich ein Perspektivwechsel.

Denn Unterstützungsmittel sind keine Notlösung. Sie sind Werkzeuge. Genauso wie eine Lesebrille nicht bedeutet, dass die Augen versagt haben, bedeutet ein Gleitmittel nicht, dass mit deinem Körper etwas nicht stimmt.

Gerade in der Perimenopause und Menopause verändern sich die Bedürfnisse des Körpers. Und manchmal braucht er einfach etwas mehr Unterstützung.

Warum sich die Schleimhäute verändern können

Östrogen beeinflusst die Durchblutung, Elastizität und Befeuchtung der Schleimhäute.

Wenn die Hormonspiegel schwanken oder sinken, können sich Beschwerden entwickeln wie:

  • Trockenheit,
  • Brennen,
  • Spannungsgefühl,
  • Schmerzen beim Sex,
  • verminderte Empfindsamkeit,
  • wiederkehrende Reizungen oder Harnwegsbeschwerden.

Nicht jede Frau erlebt diese Veränderungen.

Aber sie gehören zu den häufigsten Beschwerden der Perimenopause und Menopause und können sowohl die Sexualität als auch das allgemeine Wohlbefinden beeinflussen.

Gleitmittel und Feuchtigkeitspflege sind nicht dasselbe

Diese beiden Produkte werden häufig verwechselt.

Gleitmittel

Gleitmittel werden während sexueller Aktivität verwendet und reduzieren Reibung und Schmerzen. Sie können das sexuelle Erleben angenehmer machen und helfen, Anspannung oder Unsicherheit zu reduzieren.

Vaginale Feuchtigkeitspflege

Feuchtigkeitsgele oder -cremes werden unabhängig von Sexualität angewendet. Sie unterstützen die Schleimhäute im Alltag und können Trockenheitsbeschwerden langfristig verbessern.

Viele Frauen profitieren von einer Kombination aus beidem.

Welche Arten von Gleitmitteln gibt es?

Wasserbasierte Gleitmittel

Sie gehören zu den am häufigsten empfohlenen Produkten.

Vorteile:

  • gut verträglich,
  • mit Kondomen kompatibel,
  • leicht abwaschbar,
  • für viele Frauen ein guter Einstieg.

Sie können allerdings etwas schneller trocknen und müssen manchmal erneut aufgetragen werden.

Silikonbasierte Gleitmittel

Silikonbasierte Produkte bleiben häufig länger gleitfähig und werden insbesondere bei ausgeprägter Trockenheit als angenehm empfunden.

Je nach Produkt sind sie jedoch nicht mit allen Sexspielzeugen kompatibel.

Ölbasierte Produkte

Ölbasierte Produkte werden häufig als natürliche Alternative beworben.

Allerdings sind nicht alle Öle für den Intimbereich geeignet. Einige können die Schleimhäute reizen oder Latexkondome beschädigen.

Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Nicht jedes Produkt, das für den Intimbereich vermarktet wird, ist automatisch für empfindliche Schleimhäute geeignet.

Gerade in der Perimenopause reagieren viele Frauen sensibler als früher.

Achte möglichst auf Produkte, die:

  • möglichst reizarm formuliert sind,
  • auf Duftstoffe verzichten,
  • keine kühlenden oder wärmenden Zusätze enthalten,
  • möglichst wenige Zusatzstoffe enthalten,
  • speziell für den Intimbereich entwickelt wurden.

Wenn du zu Reizungen, wiederkehrenden Infektionen oder sehr empfindlichen Schleimhäuten neigst, kann es sinnvoll sein, zunächst kleine Mengen zu testen.

Dein Körper darf hier mitentscheiden.

Was du besser nicht verwenden solltest

Wenn Trockenheit oder Reibung plötzlich zum Thema werden, greifen viele Frauen zunächst zu Produkten, die ohnehin im Badezimmer stehen.

Das ist verständlich – aber nicht immer sinnvoll.

Folgende Produkte sind für empfindliche Schleimhäute häufig weniger geeignet:

  • Bodylotion
  • Duschgel oder Seife
  • Massageöle
  • stark parfümierte Intimprodukte
  • Vaseline
  • Babyöl
  • ätherische Öle

Auch natürliche Produkte sind nicht automatisch besser verträglich.

Gerade empfindliche Schleimhäute profitieren häufig von möglichst einfachen und reizarmen Formulierungen.

Und was ist mit lokalen Östrogenen?

Bei ausgeprägten Beschwerden können lokale Östrogentherapien eine sehr wirksame Behandlungsoption sein.

Sie werden direkt an der Schleimhaut angewendet und gelten als eine der am besten untersuchten Behandlungen bei vaginaler Trockenheit und Beschwerden des sogenannten Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM).

Viele Frauen berichten über:

  • weniger Trockenheit,
  • weniger Schmerzen,
  • eine bessere Schleimhautgesundheit,
  • eine höhere Lebensqualität.

Die Entscheidung darüber sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Was Social Media oft verspricht

Yoni-Öle, Intimseren, spezielle Kapseln oder „natürliche Hormon-Booster“ werden zunehmend beworben.

Nicht alles, was gut klingt, ist automatisch sinnvoll.

Gerade Produkte für den Intimbereich sollten möglichst reizarm und gut verträglich sein. Stark parfümierte Produkte oder aggressive Inhaltsstoffe können die Schleimhäute zusätzlich reizen.

Mehr ist hier nicht automatisch besser.

Was die Studienlage zeigt

Die Forschung zeigt, dass Gleitmittel und vaginale Feuchtigkeitspflege die Lebensqualität und sexuelle Zufriedenheit bei Trockenheitsbeschwerden verbessern können.

Lokale Östrogentherapien gelten als eine der wirksamsten Behandlungen für vulvovaginale Beschwerden während der Perimenopause und Menopause.

Entscheidend ist dabei nicht, welche Lösung „die beste“ ist – sondern welche zu den individuellen Beschwerden, Bedürfnissen und Lebensumständen passt.

Was du konkret für dich mitnehmen kannst

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis: Du musst nicht warten, bis Beschwerden sehr stark werden.

Wenn Berührungen unangenehm geworden sind, wenn Sex schmerzhaft ist oder sich dein Körper verändert hat, darfst du Unterstützung nutzen. Nicht, weil etwas kaputt ist. Sondern weil dein Körper heute vielleicht etwas anderes braucht als früher.

Du musst das nicht einfach akzeptieren

Viele Frauen denken, Trockenheit, Schmerzen oder Veränderungen der Sexualität seien etwas, das man mit zunehmendem Alter eben hinnehmen müsse.

Das stimmt nicht.

Wenn Beschwerden deine Lebensqualität, deine Beziehungen oder dein Körpergefühl beeinflussen, darfst du darüber sprechen und dir Unterstützung holen.

Es gibt heute deutlich mehr Möglichkeiten als noch vor einigen Jahren – und vor allem: Du bist mit diesen Erfahrungen nicht allein.

Quellen

  • North American Menopause Society
  • International Menopause Society
  • Portman DJ, Gass MLS. Genitourinary Syndrome of Menopause: New Terminology for Vulvovaginal Atrophy. Menopause (2014)
  • Faubion SS et al. Management of Genitourinary Syndrome of Menopause in Women. Mayo Clinic Proceedings (2017)
  • Kingsberg SA et al. Vulvar and Vaginal Atrophy in Postmenopausal Women: Findings from the REVIVE Survey. Journal of Sexual Medicine (2013)
  • Parish SJ et al. International Society for the Study of Women's Sexual Health Clinical Practice Guideline. Journal of Women's Health (2021)

Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte wende dich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer an eine qualifizierte medizinische Fachperson.

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